
DIE KUNST RÄUME ZU VERSTEHEN
Ich mag Lösungen, die selbstverständlich wirken, obwohl die Aufgabe alles andere als einfach war. Manchmal genügt eine kluge Entscheidung im Grundriss, um mehrere Schwierigkeiten zugleich zu lösen und eine ganz neue räumliche Qualität zu gewinnen. Solche Möglichkeiten zu entdecken, ist für mich eine besondere Freude am Entwerfen.
Deshalb lege ich mich nicht vorschnell auf eine Antwort fest. Ich möchte verstehen, was meinen Auftraggebern wichtig ist, wie ein Ort genutzt werden soll und welche Möglichkeiten er bereits mitbringt. Im gemeinsamen Nachdenken darf sich eine erste Vorstellung verändern, konkreter werden oder auch an Größe gewinnen. Meine Aufgabe sehe ich darin, diesen Möglichkeiten eine überzeugende räumliche Form zu geben.
Schönheit ist für mich dabei keine Zugabe zu einer funktionierenden Planung. Sie gehört von Anfang an dazu. Ich habe Freude an ausdrucksstarken Materialien, an sorgfältigen Details und am Mut zu einer eigenständigen Gestaltung. Besonders reizt mich, wenn eine Entscheidung beides leistet: einen Entwurf schöner macht und seine Nutzung verbessert. Ein gut gesetztes Fenster kann einen Ausblick öffnen, einem Raum eine neue Proportion geben und einen bislang unbeachteten Platz zum Lieblingsplatz machen.
Ebenso wichtig ist mir, meine eigene Wahrnehmung nicht zum alleinigen Maßstab zu machen. Was ich als anregend empfinde, kann für einen anderen Menschen bereits zu viel sein. Auch die Vorstellungen der Auftraggeber und die Bedürfnisse der späteren Nutzer müssen nicht deckungsgleich sein. Solche Unterschiede interessieren mich. Sie gehören zur Entwurfsaufgabe.
Hier knüpft meine Beschäftigung mit Architekturpsychologie an. Ich möchte genauer verstehen, wie Gestaltung erlebt wird, und dieses Verständnis für meine Entscheidungen nutzen. Gestalterische Intuition und wissenschaftliche Erkenntnisse sind für mich dabei keine Gegensätze: Die eine eröffnet Möglichkeiten, die anderen helfen, sie zu hinterfragen und fundierter weiterzuentwickeln.
Mein Anspruch ist eine Architektur mit einer erkennbaren Handschrift, die den Menschen dennoch Freiheit lässt – für ihre Eigenheiten, für Veränderung und für ein Leben, das sich nicht vollständig planen lässt.